Bei Videospielen von Don’t Not denkt man vor allem an Life Is Strange oder Jusant und vermutlich auch an hohe Qualität und Spielspaß. Einfach ein Spiel bei dem man nicht viel falsch macht wenn man es spielt. Aphelion gehört aber definitiv nicht dazu.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein Raumschiff der ESA mit zwei Besatzungsmitgliedern stürzt auf dem Planeten Persephone ab. Die Beiden - Ariane und Thomas - werden dabei getrennt und müssen sich für den Rest der Story jeweils alleine durchschlagen.
Der Kniff dabei ist vor allem, dass beide Charaktere unterschiedliche Gameplay Mechaniken an die Hand bekommen. Ari bekommt dabei gefühlt die meiste Screentime und ist vor allem damit beschäftigt durch die raue Eiswelt von Persephone zu klettern, zu rutschen und zu hangeln. Thomas wird beim Absturz verletzt und weil das nicht ätzend genug ist, wird sein Raumanzug bzw. sein Sauerstoffbehälter beschädigt. Deswegen muss er sich mit Hilfe von Schläuchen von einer Sauerstoffsäule zur Nächsten entlang hangeln. Ist der Schlauch ab, hat man ca. 60 Sekunden verbleibenden Sauerstoff. Findet man keine neue Säule erstickt Thomas. Die Abstände sind jedoch mehr als fair. Die größte Gefahr ist, dass man sich in den Locations verläuft. Generell finde ich das Spiel sehr unübersichtlich. Gerade mit Ari stolpere ich gern mal planlos durch den Schnee weil der Weg nicht erkennbar ist. Und das Entwickler im Jahr 2026 noch auf unsichtbaren Wänden im Level Design zurückgreifen, ja gut, da reden wir einfach nicht drüber.
Spielerisch hatte ich wenig Spaß. Hier wird einfach der Standardbaukasten an Gameplay Elementen herumgekramt und lieblos aneinander gereiht: laufen, klettern, einen Haken schießen und an einem Seil schwingen, sich vor einem Eissturm hinter Felsen verstecken und Schleichpassagen gibt es ebenfalls. Anspruchsvoll ist das alles nicht, sterben wird man trotzdem, weil die Steuerung viel zu unpräzise ist. Gern bricht auch mal eine Felskante ab. Oftmals nur, weil die Entwickler verhindern möchten, dass man in der Location Backtracking betreibt. Ein Problem ist aber oftmals, dass man durch die beschissene Steuerung nicht schnell genug zur nächsten Kante hechten kann und somit der Weg vorwärts versperrt bleibt. Lösung? Zurück zum letzten Checkpoint. In einem Kapitel hat dies auch dazu geführt, dass ein - so vermute ich - Collectable nicht erreicht war. Richtig gekocht haben die Entwickler beim „perfekten Greifen“ für Ariane. Dieses Mini-Quicktime-Event sorgt dafür, dass sie sich ohne abrutschen an einer Kante festhält. Dieses Feature ist im Spiel aber so nutzlos und überflüssig, dass man es nach dem erreichen des Erfolgs „20x perfektes Greifen“ einfach deaktiviert. Am kreativsten ist noch die Funktion des EM-Scanners, welcher noch am ehesten zur Wegfindung geeignet scheint. Ab und an muss man noch eine Art Energieknoten aktiveren um Brücken zu erzeugen oder Wanddurchbrüche zu öffnen. Gegen Ende ist man davon aber auch eher genervt als motiviert.
Die Handlung ist im Genre des Sci-Fi nichts Neues und wird auch nicht wirklich mitreißend erzählt. Die beiden Figuren bleiben so flach, dass es mir schlicht egal ist, was am Enden mit ihnen passiert. Überhaupt wollte ich nach ca. sechs Stunden nur noch dass es aufhört. Das letzte Kapitel war mir einfach zu viel.
Aphelion könnte mit mehr Liebe und Aufmerksamkeit der Entwickler ein sehr solides Spiel sein, denn gerade durch den wirklich großartigen Soundtrack und die gute Grafik kommt oftmals tolle Atmosphäre auf. Auch die Tongestaltung macht die meiste Zeit sehr gute Arbeit, alleine das knacken und brechen von Eisseen die man überquert sind wirklich grandios. Die flache Story, das Gameplay und die beschissene Steuerung reißen mich aber immer und immer wieder raus.
